Einleitungo:p>
Die breite Palette sportmedizinischer Tätigkeit umfasst neben der Behandlung von Sportverletzungen in erster Linie die Untersuchung und Beratung von sporttreibenden Personen (Hochleistungs-, Leistungs-, Hobby- und Freizeitsport, Gesundheitssportler und Sportler mit chronischen Krankheiten). Mit sportmedizinischen Testmethoden kann die Leistungsfähigkeit von Organen und Funktionssystemen, wie Herz-Kreislaufsystem, Lunge, Muskelstoffwechsel usf. bewertet werden.
Im wesentlichen unterscheidet man 3 Bereiche sportmedizinischer Tätigkeit:
- Sportmedizinische Untersuchung- Basisuntersuchung
- Sportmedizinischer Leistungstest
- Betreuungsmodelle im Hochleistungssport (Spezialisierte Zentren, zB Olympiastützpunkte uä)
Für den niedergelassenen Sportmediziner sind in erster Linie die Sportmedizinische Basisuntersuchung und der sportmedizinische Leistungstest von Bedeutung.
Die sportmedizinische Untersuchung
Anamnese:
Am Anfang steht die Frage nach bestehenden und durchgemachten Krankheiten, ärztlichen Behandlungen, Unfällen und Operationen. Wichtig die Frage, ob es häufig zum Auftreten von Verkühlungen und Infekten(hpts. Respirationstrakt) gekommen ist, als Hinweis auf eventuelle Übertrainingszustände.
Kontraindikationen für Sportausübung:
Schwere Allgemeinerkrankungen, Herzinsuffizienz, Crescendoangina, Herzrhythmusstörungen(Lown-Klasse III-IV), Hämodynamisch wirksame Vitien, schwere Hypertonie, Diabetes mellitus (BZ>250mg/dl), Akute fieberhafte Infekte.
Trainingsanamnese:
Der Sportmediziner stellt folgende Fragen:
Welche Sportarten werden ausgeführt? Wie lange wird schon trainiert? Wie viele Stunden pro Woche? Trainingsphase(Vorbereitungs-, Wettkampf-, Übergangsperiode )? Trainingsunterbrechungen(Verletzung, Krankheit)? Beschwerden beim und nach dem Training?
Untersuchung:
Klinische Untersuchung: üblicher Status präsens
Bewegungsapparat: Untersucht werden die großen Gelenke, die Wirbelsäule und die wichtigsten Extremitätenmuskeln.
Kritische Bereiche der Wirbelsäule: Lumbosakraler Übergang (Stabilisationsdefizit, Spondylolyse, Spondylolisthese) , Thorakolumbaler Übergang (Rotationsdefizit), Beckenschiefstand). Kritische Bereiche der Extremitäten: Stressfrakturen bei Langstreckenläufern(Mittelfuß), Tendopathien, Tarsaltunnelsyndrom, Instabilität des OSG(rez. Distorsionen bei Volleyball- und Basketballspielern), Tibiakantenschmerz bei chron Periostitis (Langstreckenläufer), Überlastung des Streckapparates am Knie (Hoffitis, Tendopathie Lig. Patellae), Traktusscheuersyndrom.
Im Schulterbereich finden sich häufig Impingementsyndrome, oft kombiniert mit Verletzungen der Rotatorenmanschette (Überkopfbewegungen im Tennis).
Häufigste Ursachen von Überlastungen im Bereich des aktiven und passiven Bewegungsapparates:
Nicht vollständig ausgeheilte Verletzungen im Wettkampfsport, Missachtung der Regenerationszeit, inadäquate Therapie, falsches Regenerationstraining, Steigerung des Trainingsumfanges in zu kurzer Zeit(Übermotivation, Trainerwechsel) sowie fehlerhafte Ausführung der sportlichen Technik .
Laboruntersuchung:
Rotes und weißes Blutbild, Elektrolyte, Serumenzyme, Kreatinin, Harnstoff, BZ, Cholesterin, HDL- Cholesterin, Triglyceride, Harnanalyse.
Ekg in Ruhe, Lungenfunktionstest
Sportmedizinischer Leistungstest
Labortests (Laufband-, Fahrrad-, Spezialergometer) gehören zum Standardrepertoire sportmedizinischer Untersuchungen. Die Messung der maximalen Leistungsfähigkeit, die Registrierung von Blutdruck und Herzfrequenz und EKG, die Bestimmung von Laktat (Schwellendiagnostik), erlaubt Rückschlüsse auf die Trainingsgestaltung und ermöglicht die Kontrolle von Trainingsprozessen. Auswertung, Dokumentation und Längsschnittanalysen werden mit speziellen Softwareprogrammen PC-unterstützt durchgeführt.
Feldtests (Laufen, Langlauf, Rad, etc.)erlauben die Messung leistungsphysiologischer Parameter unter Feldbedingungen. Der Vorteil besteht in der Nähe zu Trainingspraxis und Wettkampfbedingungen. Durch äußere Einflüsse(Temperatur, Witterung, wechselnde Bodenbeschaffenheit, etc) wird aber die Vergleichbarkeit mit anderen Tests beeinträchtigt.
Sportmedizinische Beratung
Als Erstes wird im gemeinsamen Gespräch ein Ziel festgelegt, welches in einem bestimmten Zeitrahmen erreicht werden soll, zB:
- Teilnahme am Wienmarathon Mai 2003 in einer Zeit von 3h50min
- Gewichtsabnahme von 5kg in 2 ;Monaten
- Besteigung des Kilimandjiaro im November 2002
- Erreichen eines Fitnessgrades von 140% als Präventivmaßnahme gegen Bewegungsmangelkrankheiten
- Verbesserung der Grundlagenausdauer
- Verbesserung der maximalen Leistungsfähigkeit
- Etc..
Die Leistungsdiagnostik gibt Hinweise, ob das angepeilte Ziel realistisch ist.
Das Trainingskonzept gibt Art, Umfang und Intensität der gewählten Bewegungsform an. Begleitmaßnahmen wie: Stretching, Kräftigungsübungen, Regenerationsfördernde Maßnahmen, Substitution von Spurenelementen werden ebenfalls im Trainingskonzept vermerkt.
Zuletzt werden Kontrollmethoden und gegebenenfalls Termine für Kontrolluntersuchungen vereinbart.
Ausblick - Zukünftige Entwicklungen
In den letzten 10 Jahren ist die Zahl der von uns betreuten Leistungssportler relativ konstant geblieben. Deutlich zugenommen hat die Zahl an Hobby-, Freizeit- und Gesundheitssportlern, die in erster Linie die positiven Nebenwirkungen von Sport, nämlich Wohlbefinden, Stressresistenz und Gesundheit anstreben.
Der „Patient der Zukunft“ erwartet sportärztliche Untersuchung und Beratung zur Risikoreduktion und Lifestyle-Optimierung.
Dr. Georg Fritsch